Stoffwindelzuschuss

Antrag:

Die Stadt Werne gewährt für die Anschaffung von Mehrwegwindeln einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 150,00 Euro für das erste Kind und 50,00 Euro für jedes weitere Kind eines Haushaltes mit Wohnsitz in Werne, der bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr zu beantragen ist. Dafür werden 5.000 Euro pro Jahr im Produkthaushalt eingeplant. Darüber hinaus wird über die Vorteile der Verwendung von Mehrwegwindeln informiert und beraten. Entsprechende Informationen sollten über das Jugendamt und Familienberatungsstellen verteilt werden. Auch bei der Abfallberatung sollte eine Informationsbroschüre vorliegen.

Begründung:

Im Abfallvermeidungsgesetz der EU werden die Länder dazu aufgefordert, Ressourcen zu sparen. Auch im nationalen Kreislaufwirtschaftsgesetz ist das Ziel Verringerung der Abfallmenge definiert. Leider setzen wir dieses Ziel bei einem Artikel, welcher enormen Müll verursacht, gesellschaftlich nicht um: Der Wegwerfwindel. 

Allein in Deutschland landen täglich 8,4 Millionen Wegwerfwindeln im Restmüll, was einer jährlichen Gesamtmenge von mehr als drei Millionen Windeln entspricht. Kaum ein Produkt wird im Alltag häufiger benötigt und landet dennoch ohne große Gedanken in der Restmülltonne. Die Masse der weggeworfenen Windeln machen ca. 10% des Restmüllaufkommens aus, die unter Aufwendung von viel Energie verbrannt werden und dabei nicht abbaubare Rückstände hinterlassen. So bestehen Wegwerfwindeln zum Großteil aus den Kunststoffen Polypropylen (PP), Polyethylen (PE) und Superabsorber (SAP), bei deren Verbrennung giftige Gase entstehen und danach hochgiftige, staubförmige Überreste vorhanden bleiben, die meist unter Tage entsorgt und gelagert werden müssen. Doch auch diese Lager haben Grenzen, die von den täglich neu entstehenden Müllmassen stark ausgelastet werden. 

Mit der Weiterentwicklung der Stoffwindel gibt es eine ernstzunehmende Alternative, welche sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll ist. Noch vor 40 Jahren war es in unserer Gesellschaft üblich, Stoffwindeln zu verwenden. Die guten Marketingstrategien großer internationaler Konzerne, haben jedoch dafür gesorgt, dass die Einwegwindel ihren Siegeszug gestartet hat. Heutzutage sind es etwa 5% der Eltern, die zur Stoffwindel greifen. Dies liegt vor allem daran, dass viele Menschen noch ein veraltetes Bild der Mehrwegwindel haben und somit diese Option heutzutage gar nicht in Betracht ziehen. 

Durch die Verwendung jedoch von modernen, einfach handhabbaren Stoffwindeln, die nach einmaliger Anschaffung (die Anschaffungskosten liegen je nach Windelsystem, bei ca. 500,00 Euro) meist bis zum Ende der Wickelzeit genutzt werden können, wird ein erheblicher Beitrag zur Abfallvermeidung geleistet und eine umweltbewusste Einstellung der Bürger:innen gefördert. 

Zudem sind Stoffwindeln auch aus gesundheitlichen Gründen empfehlenswert, da in ihnen keine bedenklichen Chemikalien enthalten sind. Ferner ergeben sich nicht nur für die Eltern erhebliche Einsparpotenziale (ca. 1.500 Euro während der gesamten Wickelzeit), sondern auch für die Stadt Werne fallen durch ein geringeres Restmüllvolumen deutlich niedrigere Entsorgungskosten an.  

Viele Kommunen haben diesen Vorteil bereits erkannt und haben durchaus positive Erfahrungen mit der Einführung eines Stoffwindelzuschusses gemacht. Sowohl der finanzielle als auch der Verwaltungsaufwand halten sich in Grenzen; im Gegenzug kann das Müllaufkommen deutlich reduziert werden und zudem die Stadt diese Maßnahme zur positiven Außendarstellung nutzen.  

In Nordrhein-Westfalen wird der Stoffwindelzuschuss u.a. von Borken, Detmold, Rietberg, Rheda-Wiedenbrück, Engelskirchen, Geldern, Hamminkeln, Harsewinkel und Rheurdt gewährt. Um möglichst viele Eltern für die Vorteile der Mehrwegwindel-Nutzung zu interessieren, sollte die Stadt Werne den Zuschuss intensiv bewerben. Dazu gehören u.a. die im Beschlussvorschlag genannten Maßnahmen.  

Die Beantragung des Zuschusses könnte durch ein auszufüllendes Formular und unter Vorlage der Geburtsurkunde des Kindes sowie der Mehrwegwindel-Rechnung erfolgen.

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